kopfbild

Die Schiefervorkommen von Angers

In keinem der hier beschriebenen Vorkommen wird noch Schiefer abgebaut. Innerhalb des Armorikanischen Massivs existieren mit den mittel-ordovizischen Schiefern von Angers sowie den unterkarbonen Kulm Schiefern von Maël-Carhaix zwei bedeutende Schiefervorkommen.

Das Armorikanische Massiv umfaßt die Normandie, Bretagne sowie Vendee. Nach Osten taucht es unter die mesozoisch-tertiären Serien des Pariser Beckens und nach Süden unter die mesozoisch-tertiären Serien des Aquitanischen Beckens. Der Schelf der Biscaya überdeckt das Armorikanische Massiv im SW.

Verschiedene im Karbon entstandene Scherzonen schneiden das Armorikanische Massiv und gliedern es in sieben geographisch unterschiedliche Zonen, mit einer jeweils charakteristischen Lithologie und Tektonik.

Während des Paläozoikums war das Armorikanische Massiv Teil des nördlichen Gondwana Randes. Beginnend mit dem Arenig wurde ein großer Teil der Nord- und Zentral Armorikanische Zone überflutet, so auch die für die Dachschiefervorkommen wichtige Synklinalen von Segré und Angers. In diesem flach-marinen Milieu wurde die sogenannte "Grès Armoricain Formation" abgelagert, die hauptsächlich aus massiven Sandsteinen mit Einschaltungen von Schiefern aufgebaut ist. Im Laufe des Arenig, stellenweise bis zum Llandeilo bzw. obersten Caradoc, erreichte die Transgression ihr Maximum und es kam u. a. zur Sedimentation der 'Angers Formation', an die die Dachschieferlagerstätten von Angers gebunden sind. Das Sedimentationsmilieu ist gekennzeichnet durch eine flach-marine Fazies innerhalb des offenen Schelfbereiches.

Im Armorikanischen Massiv können vier Orogenesen bzw. orogene Phasen unterschieden werden (Rolet, J. In: Keppie, 1994):

  1. Cadomische Orogenese

  2. frühe kambrisch-ordovizischen Extensions Ereignisse und Plutonite

  3. Eo-Herzynische Schließung und Kollision vom Silur bis Devon

  4. Herzynische intrakratonale, post-kollisionale Phase, maßgebend für die Entstehung der Dachschiefer von Angers und Maël Carhaix

Am Ende des Devons war der Ozean geschlossen und die Kollisionsprozesse hatten schon eingesetzt (Bretonische Phase). Im Unter-Karbon war die gesamten Einheiten fast vollständig zum sogenannten Armorikanischen Massiv umgewandelt und die wenigen "intramontanen" Karbonbecken hatten zum nördlichen Meer keinen Zugang mehr. Zwei orogene Perioden mit unterschiedlichen Beckentypen können hier unterschieden werden:

  • Unter-Karbon (Tourne, Vise bis Namur), welches mit dem Becken von Chateaulin-Laval, in dem sich die Dachschiefer von Maël-Carhaix befinden, und den Becken von Ancenis, Morlaix und Montmartin repräsentiert wird.

  • Mittel- und Ober Karbon (Westphal bis Stephan) mit seinen sporadischen schmalen Kohle-Gräben, welche stark an die Tektonik der Süd-Armorikanischen Scherzone (SASZ) gebunden sind.

Französische Schiefervorkommen, wobei ein großer Teil der Vorkommen aus kristallinen Schiefern bestehen.

 

 

Die Schiefervorkommen von Angers

Die primär mittel- bis oberordovizischen Schiefer der Region von Angers und Segré befinden sich innerhalb des ,Beckens d`Anjou", das durch WNW - ESE streichende Anti- und Synklinalen gekennzeichnet ist. Insgesamt können drei Schiefervorkommen unterschieden werden, die alle untertägig abgebaut wurden:

  • Trélazé, östlich von Angers u.a. mit den großen Untertage Gruben von Les Fresnais. Kerouanton (1991) nennt hier noch die Schieferbrüche von Avrillé, La Pouêze, Angrie, Vritz, Le Grand Auverné, Moisdon-la-Rivière, Derval und Pierric.

  • Noyant, Westlich von Segré, ca. 50 km nordwestlich von Angers. Kerouanton (1991) erwähnt die Schieferbrüchen von Noyant-la-Gravoyère, Combrée, Fercé und Rougé.

 

Angers - Trélazé

Die Gruben von Trélazé sind WNW - ESE Angerseiht und zeichnen somit die Mulde von Angers-Trélazé nach. Diese Mulde besteht aus zwei durch eine Antiklinale getrennte Synklinalen und der Schiefer wurde im "Schistes d`Angers" innerhalb zweier unterschiedlicher Niveaus abgebaut. Sie werden als "Niveau Ardoisier Inférieur" und "Niveau Ardoisier Intermédiare" bezeichnet und sind durch eine ca. 100 m mächtige und i.a. nicht abbauwürdige Schieferserie getrennt. Entsprechend ihrer Position im Bereich der Muldenstruktur werden verschiedene Schieferlager mit unterschiedlichen lithologischen Eigenschaften unterschieden:

  • Niveau Ardoisier Intermédiare: "Veine Nord", "Veine Extrême Nord"

  • Niveau Ardoisier Inférieur: "Veines Intermédiare", "Veine Sud", Veine Extrême Sud", "Carrière Napoléon"

Der Schiefer ,Ardoisier Inférieur' zeigt eine Mächtigkeit zwischen 25-30 m und ist sehr feinkörnig. Im Liegenden wird er durch die ,Ricard-Fazies` und im Hangenden durch die ,Foriace-Fazies` begrenzt. Die ,Ricard-Fazies` ist durch das Auftreten zahlreicher pyritisierter Fossilien gekennzeichnet, während die Schiefer der ,Foriace-Fazies` knotenartige Pyrite sowie verzweigten Pyritisierungen auf den Spaltflächen besitzen.

Aufgrund der Feinkörnigkeit und der Schieferung der ,Ardoisier Inférieur` konnten Schiefer mit Spaltstärken von 3 mm produziert werden.

Die Schiefer ,Ardoisier Intermédiare` besteht aus zwei Schieferbändern, welche durch eine ca. 10 m mächtige sandige Einheit getrennt werden. Während das erste Schieferband eine relativ konstante Mächtigkeit von 40 bis 45 m ("Veine Nord") hat, zeigt das zweite Schieferband ("Veine Extrême Nord") mit 10 bis 25 m Mächtigkeiten größere Schwankungen mit fein- ,mittel- bis grobkörnigen Partien.

 

Noyant - Segré

Wie in Trelazé, so treten auch in diesem Gebiet die Schiefer ,Ardoisier Intermédiare` und ,Ardoisier Inférieur`auf, aber nur in ersterem wurden die Schiefer abgebaut. Sie befinden sich innerhalb der WNW-ESE streichenden Synklinale von Segré und die Transversalschieferung fällt mit 80-85° nach Nord ein. Zahlreiche NNW-SSE streichende Störungen queren die Synklinale und führen so zu wechselnden Schieferqualitäten.

Der Schiefer ,Ardoisier Intermédiare` wird bei Noyant und Bel Air abgebaut und besitzt im Gebiet um Noyant eine ungefähre Mächtigkeit von 80 m. Im Liegenden wird er begrenzt von einem schwarzen fossilreichen Schiefer mit Pyritknollen. Im Hangenden geht er in eine immer sandigere glimmerführende Ausbildung über. Die 80 m mächtigen Schiefer werden in 10 bis 30 m mächtige Schieferlager gegliedert und die eine variierende Qualität zeigen. Grundsätzlich sind die einzelnen Schieferlager nicht so feinkörnig wie die Schiefer von Trelazé und besitzen mehr Pyrit (gut kristallierte Würfel, feinverteilt und leicht oxidierbar). Die Vorkommen erlauben die Gewinnung großstückiger Schiefer.

Die Schiefer ,Ardoisier Inférieur` wurden erst im Jahre 1995 durch Bohrungen entdeckt und besitzen eine Mächtigkeit zwischen 25 bis 30 m. Sie sind weniger pyritführend und deutlich feinkörniger als die Schiefer ,Ardoisier Intermédiare`, dafür scheinen sie aber stärker zerklüftet.

 

Bilder

Zum Vergrößern bitte mit der Maus über das jeweilige Bild fahren.

  • Abb. 1 Schieferdächer in Angers

  • Abb. 2 Château d'Angers. Das Mauerwerk besteht primär aus Schiefer.

  • Abb. 3 Schieferdach in Angers

  • Abb. 4 Schiefer von Angers mit typischer Patina

  • Abb. 5 Abgesoffene Schiefergrube in Trélazé

  • Abb. 6 Dünnspaltige Schiefer mit typischer Patina in La Gâtelière

  • Abb. 7 Schieferdach in Bouillé-Ménard

  • Abb. 8 Stellenweise sind Löcher in den Schieferplatten, die durch das Herauslösen großer Eisensulfidminerale wie z.B. Pyrit entstanden sind.

  • Abb. 9 Die Braunfärbungen werden sowohl durch Eisensulfidminerale als auch die Befestigung durch Klammern verursacht

  • Abb. 10 Schiefergrube "La Mine Bleue" in Renaze. Auf den in der First "eingehängten" Gitterrosten standen die Bergleute und bauten den Schiefer ab.

Startseite | Kontakt & Impressum & Datenschutz | Leistungen