kopfbild

Die Schiefervorkommen des Rheinischen Schiefergebirges

Regionalgeologische Stellung

Das Rheinische Schiefergebirge gehört mit seinen primär devonischen und karbonischen Gesteinseinheiten dem Rhenoherzynikum an. Im Norden wird es durch kretazischen Einheiten der Münsterländer Kreidemulde und im Nordwesten vom Tertiär der Niederrheinischen Bucht bedeckt.

Der südliche Rand mit Hunsrück und Taunus wird vom Saar-Nahe Becken und dem Mainzer Becken durch die Taunus-Hunsrücksüdrandstörung begrenzt. Im Osten taucht es unter das permisch-mesozoische Deckgebirge der Hessischen Senke.

 

Stratigraphie und Tektonik

Das Rheinische Schiefergebirge wird durch den Rhein bzw. das Rheintal in das Linksrheinische und Rechtsrheinische Schiefergebirge unterschieden.

Strukturell wird es in Sättel und Mulden gegliedert, so befinden sich die unterdevonischen Dachschiefer Lagerstätten des Linkrheinischen Schiefergebirges in der ,Moselmulde` und im ,Hunsrück-Antiklinorium`. Im Rechtsrheinischen Schiefergebirge befinden sich die mitteldevonischen Dachschiefer des Sauerlandes im Bereich des ,Ostsauerländer Hauptsattels`.

Die erste vollständige sedimentäre Entwicklung des Rheinischen Schiefergebirges begann mit dem Devon. Zu dieser Zeit existierte der Old-Red Kontinent im Norden, dem sich südlich ein flachmariner Sedimentationsraum im Gebiet des heutigen Rheinischen Schiefergebirges anschloß. Im Unterdevon wurden die Sedimente in Rheinischer Fazies abgelagert. Während des Siegens herrschten im nördlichen Teil dieses Sedimentationsraumes fluviatile bis deltaische Sedimentationsbedingungen vor, während im südlichen Teil wie im Moseltrog, Sedimente in der Fazies des Hunsrück-Schiefers abgelagert wurden. Im Laufe des Ems kam es im nördlichen Teil der ,Mosel Mulde` zur Sedimentation ca. 3.000 mächtiger Sandsteine und Schiefer, während weiter südlich die ,Hunsrück-Schiefer` mit rund 1.500 m Mächtigkeit abgelagert wurden. (Walther, 1997).

Mit dem Mitteldevon kam es zur Bildung tieferer Becken, die zur Ablagerung von Sedimenten in herzynischer Stillwasser-Fazies führte und zu denen auch das ,Sauerländer Becken` gehörte.

Die palinspastische Rekonstruktion und Subsidenzentwicklung zeigen vom Unter-Gedinne bis Ober-Vise die Anlage eines symmetrischen Rifts im linksrheinischen Raum, wobei die präorogenen Krusten- und Beckenkonfigurationen das Bild eines `failed rifts` zeigen, dessen Hauptdepotcenter und Riftachse im Bereich des Moselgrabens lag (Heinen, 1996). Nach Berthelsen (1992, in Heinen, 1996) führte eine seit dem Unterdevon aktive N-S bis NW-SE verlaufende dextrale Scherzone zu einem lateralen Versatz im Rheonherzynikum, so daß sich die links- und rechtsrheinische Beckenentwicklung nur schlecht oder gar nicht korrelieren läßt. Im linksrheinischen Becken kam es vom Devon bis beginnendes Oberkarbon zur Ablagerung von flachmarinen klastischen sowie karbonatischen Sedimenten. Im Bereich des linksrheinischen Rhenoherzynischen Beckens kam es mit dem Beginn des Siegen zu unterschiedlichen Subsidenzraten, die sich in markanten Mächtigkeitsunterschieden äußern: so liegen die Siegen/Ems Mächtigkeiten im nördlichen Vorland bei 1.000 m, während sie im Bereich der Moselmulde bis zu 12.000 m erreichen können.

Im Bereich des Hunsrück-Beckens kam es zur Ablagerung des sogenannten Hunsrückschiefers, der als Schwarzschiefer innerhalb einer euxinischen Stillwasserfazies betrachtet wird.

Innerhalb des linksrheinischen Rhenoherzynischen Beckens werden die hohen Subsidenzbeträge durch die beträchtliche Akkumulation klastischer Sedimente kompensiert und als Paläotiefen während der Ablagerung der Schieferedukte werden für das Hunsrückbecken und den Moselgraben 200 m angenommen (Heinen, 1996). Die Ablagerung der linksrheinischen Schieferedukte vollzog sich daher im flachmarinen Milieu oberhalb der CCD.

Der strukturelle Aufbau des linksrheinischen Schiefergebirges ist gekennzeichnet durch eine ,thin skinned` Tektonik im Norden mit Überschiebungstektonik und konzentrischen Faltenbau zu einer ,thin skinned` Tektonik mit weiträumigen listrischen Störungen im südlichen Teil (Nierhoff, 1994).

Tektonisches Querprofil durch das linksrheinische Schiefergebirge (aus Nierhoff, 1994) zum Vergrößern anklicken

 

Die Hunsrück-Decke ist Bestandteil des Hunsrück-Soonwald Antiklinoriums und besitzt einen durch intensive Schuppentektonik und tektonische Stapelung komplizierten strukturellen Aufbau.

Für die Hunsrück-Decke, wie für das gesamte südwestliche Rheinische Schiefergebirge, wird aufgrund der über weite Bereiche übereinstimmenden oberanchizonalen Metamorphose ein Deckensystem angenommen (Dittmar, 1993 in Nierhoff, 1994).

Mit die wichtigste Störungszone ist die Taunuskammüberschiebung, an der der gesamte südliche Taunus und Hunsrück deckenartig über 30 km nach NW auf den Hunsrückschieferkomplex geschoben wurde. Zusammen mit dem Hunsrückschieferkomplex wurden die Einheiten bis zur Bopparder Überschiebung mehr als 4 km auf die Moselmulde transportiert (Oncken, 1989 in Nierhoff, 1994). Dabei haben die Bewegungen die Schieferung an den Störungen deformiert, d. h. es kam zur Bildung einer zweiten Transversalschieferung und teilweise dritten Schieferung, die meist als Crenulationsfoliation vorliegt (Nierhoff, 1994).

Die nördliche Grenze der Hunsrück-Decke zur Moselmulde wird durch die SE einfallende Bopparder Überschiebung gebildet (Nierhoff, 1994).

Bei der Moselmulde handelt es sich um eine bivergente, von NW sowie SE überfaltete Großmulde. Die Falten am Rand NW-Flanke bestehen aus kilometerlangen, überkippten nach NW eintauchenden Verkehrtschenkel, die selten und dann nur durch einen einige hundert Meter annähernd horizontalen Normalschenkel abgelöst werden. Hierdurch ergibt sich ein senkrechter, zum Teil nach NW überkippter fallende Faltenspiegel (Gasser, 1978). Die Moselmulde geht im NW in den Siegener Hauptsattel über.

Das Sauerland befindet sich im nördlichen Teil des Rechtsrheinischen Schiefergebirges, in dem Devon und Karbon und teilweise Ordovizium sowie oberstes Silur zutage tritt. Tektonisch wird es in NE-SW streichende Sättel und Mulden mit einem NW-vergenten Faltenbau gegliedert. Dominierende Struktur ist hier das ,Siegener Antiklinorium` mit seinen unterdevonischen Gesteinsserien, welches durch die ,Siegener Hauptaufschiebung` in zwei größere in sich stark gestörte Sattelstrukturen gegliedert wird (Walther, 1992).

Nördlich des ,Siegener Antiklinoriums` befindet sich der ,Ostsauerländer Hauptsattel` als prägende Struktur innerhalb des nordöstlichen Rheinischen Schiefergebirges und er wird hauptsächlich aus Tonsteinen bzw. -schiefern sowie Quarziten des Mittel-Devons aufgebaut. Im Areal des ,Ostsauerländer Hauptsattel` befinden sich primär in den mittel-devonischen Einheiten Tonschiefern die Dachschieferlagerstätten des Sauerlandes.

Die zeitlich versetze variszische Faltung begann in der Phyllitzone am Taunus-Südrand vor 327-318 Ma (Namur) und erreichte von 305-290 Ma (oberes Westfal) den Schiefergebirgs-Nordrand (Walther, 1997). Dabei lagen die Metamorphosegrade für die Dachschiefer im anchimetamorphen Bereich.

 

Die Schiefervorkommen von Mosel und Hunsrück

Innerhalb der Linksrheinischen Schiefervorkommen entwickelte sich der Schieferbergbau von Müllenbach, Laubach bis nach Ochtendung, östlich von Mayen. Schieferbergbau wurde auch im Gebiet von Bundenbach und Gmünden betrieben, welches vor allem durch seine einzigartigen Fossilien bekannt wurde. Als drittes ist das Gebiet im Rheintal, um Kaub und Bacharach sowie der noch tätige Bergbau um Altlay zu nennen (Bartels et al., 1998).

Zu den kommerziell wichtigsten gehören die Schiefer um Mayen, die auch Moselschiefer genannt werden. Die Bezeichnung Moselschiefer stammt aus dem Rheinischen Raum und entstand durch die Verschiffung der Dachschiefer aus der Gegend um Mayen auf der Mosel. Heutzutage hat sich dieser Terminus auch für die Lagerstätte durchgesetzt. Die Dachschiefer werden in der " Mayener Dachschieferfolge" der unterdevonischen Siegen-Stufe untertage abgebaut. Sie befindet sich an der NW-Flanke der Moselmulde. Im NW wird sie durch die Siegener Hauptaufschiebung von dem Eifeler Hauptsattel getrennt und im SW, im Raum Laubach von der Mayener Aufschiebung abgeschnitten (Wagner, 1991). Die folgenden Ausführungen folgen im Wesentlichen den Ausführungen Wagners (1991).

Die Mayener Dachschieferfolge" besteht aus einer Tonschiefer-Sandstein Wechselfolge, wobei die heutige Abbauzone (Stand 1991) vier durch sandige Serien getrennte dachschieferhöffige Zonen umfaßt. Die für die Dachschiefergewinnung wichtigste Zone ist die Katzenberg Zone, die das Liegende der Mayener Dachschieferfolge" darstellt. Daneben bestehen noch die 3 bis 4 Schieferlager die Glückauf Zone, die eine Mächtigkeit zwischen 5 bis 15 m zeigen sowie die Mosella Zone und Margareta Zone. Bei den Schiefern handelt es sich um Transversalschiefer mit einem Winkel SS - S1 von rund 20°.

Die Abbildung zeigt ein Querprofil durch die Grube Katzenberg, die ein Verbundbergwerk mit der Grube Glückauf darstellt. Die Dachschiefer werden in drei Lagern oder Richten abgebaut, die sich alle in den hauptsächlich aus Tonschiefer bestehenden Schichten befinden. Das Einfallen der Schieferung beträgt übertage 40 - 50° nach SE, nimmt mit zunehmender Teufe zu und fällt ab der 7. Sohle saiger bzw. steil nach NW ein. Die Grube wird von N-S streichenden Lateralverschiebungen durchzogen, deren Versatz meist einige Meter beträgt. Eine größere E-W streichende Störung begrenzt den Grubenbereich "Glückauf" nach SE. Vielfach treten auch spitzwinkling zur Schieferung verlaufende Störungen auf, die als "Flecks" bezeichnet werden.

Querprofil durch die Grube Katzenberg (Quelle: Wagner, 1990), zum Vergrößern anklicken

 

Das traditionelle Schiefergebiet Hunsrück werden bis auf Altlay heutzutage keine Dachschiefer abgebaut. Lediglich bei Bundenbach werden noch Schiefer für andere Zwecke wie z. B. Bodenplatten, Mauersteine oder Grabsteine übertage abgebaut. Dachschiefer wurden früher unter- und übertage gewonnen.

 

 

 

Die Schiefervorkommen des Sauerlandes/Westfalens

Die Dachschiefervorkommen des Sauerlandes bzw. Westfalens befinden sich im nordöstlichen Teil des Rheinischen Schiefergebirges im Raum zwischen Meschede/Brilon und Bad Berleburg und nach Dienemann & Burre (1911) werden sie in drei Hauptschieferzüge unterteilt (vgl. Abb.). Stratigraphisch sind die Dachschiefer an Einheiten des Unter- und Mittel Devons gebunden. Von Bedeutung für die devonische Einheiten ist der Fazies-Bereich; so sind die Fredeburger- und Raumländer Schiefer in herzynischer Fazies, also landferner Beckenfazies abgelagert worden.Der Nuttlaer Zug erstreckt sich zwischen Brilon und Meschede, wobei sich der Abbau von (Dach-) Schiefer sich im wesentlichen um die Ortschaften Bestwig, Nuttlar und Antfeld konzentrierte. Mit Beginn der 90er Jahre des 20 Jhs. wurde der Schieferbergbau eingestellt.

 

Gliederung der Schiefervorkommen des Sauerlandes in Hauptschieferzüge (Quelle: Wrede), zum Vergrößern anklicken

 

Die (Dach-) Schieferlager befinden sich an der nördlichen Flanke des ,Ostsauerländer Sattels`, dem sich nordwestlich die ,Nuttlaer Hauptmulde` mit dem stark verfaltetem Flözleeren des Namur B anschließt. Die Schiefer wurden in den ,Flinzschichten mit Nuttlaer- und Wallener Schiefer` abgebaut und sind mehrfach gefaltet. Sie gehören der Givet-Stufe an, die eine Abfolge kalkiger, schluffiger Tonschiefer mit eingeschalteten Kalkbänkchen darstellt; die Mächtigkeit der Schieferlager selbst variiert zwischen 3-15 m.Der Fredeburger Zug zieht sich vom hessischen Willingen im Nordosten bis nach Schmallenberg im Südwesten und befindet sich im ,Ostsauerländer Sattel`

Die Dachschiefer von Willingen befinden sich nördlich-nordöstlichen Flanke des ,Ostsauerländer Sattels` und wurden untertage innerhalb der mittel-devonischen Asten-Schichten abgebaut. Die Mächtigkeit der Schieferlager schwankt zwischen 2-20 m.

Momentan werden bei Heminghausen, ca. 3 km westlich von Fredeburg in der Grube "Felicitas" sowie im Verbundbergwerk "Gomer" bei Fredeburg Schiefer untertage abgebaut. Die Dachschieferlager befinden sich im oberen Teil der Fredeburger Schichten der Eifel-Stufe. Sie zeigen eine ungefähre Mächtigkeit von 450 m und beginnen mit ca. 150 m mächtigen Tonschiefern mit Kalkknollen. Überlagert werden sie von rund 200 m mächtigen wechsellagernden Tonschiefer/Sandstein Serien, denen jeweils 50 m mächtige Sandsteine und Tonschiefer folgen.

 

 

Die Fredeburger Tonschiefer sind innerhalb der herzynischen Fazies abgelagert worden und zeichnen sich durch eine schwarze bis schwarzgraue Färbung mit einer durch eingeschaltete Schluffe verursachten Bänderung aus. Drei von diesen 'Schluffbändern' dienen im Verbundbergwerk "Gomer" als Leithorizonte; sie werden als "Eisennähte" bezeichnet und besitzen eine Mächtigkeit zwischen 7-26 mm. Die Mächtigkeit der Schieferlager selbst beträgt im nördlichen Lager 30 m und im südlichen Lager 20 (Kirchner & Zallmanzig, 1995).

Das Verbundbergwerk "Gomer" befindet sich innerhalb des mit 80° nach S überkippten südlichen Schenkels der NW-SE streichenden ,Hömberg Mulde` (Wrede). Die Schieferung ist als Transversalschieferung ausgebildet, fällt im Bereich des Verbundbergwerks "Gomer" ca. 35-40° von SW bis SE ein und führt somit zu einem spitzen Winkel zwischen Schichtung und Schieferung.

Innerhalb des Grube "Felicitas" ist das ca. 20 m mächtige Schieferlager an den gefalteten Nordflügel der ,Ostsauerländer Sattel` gebunden.

 

Hauptschieferzug Gruben Stratigraphie

Nuttlaer Zug

"Ostwig" und "Füchtenzehe (Fuchtenzehe)" bei Nuttlar

Flinzschichten mit Nuttlaer und Wallener Schichten (Givet)

"Königsgrube" und "Egon I & II" bei Bestwig

"Adam" und "Eva" bei Antfeld

Fredeburger Zug

 

 

 

 

 

Verbundwerk "Gomer" aus den Gruben "Bierkeller", "Magog" und "Gomer" bei Fredeburg

Obere Fredeburg-Schichten (Eifel)

"Felicitas" bei Heiminghausen, 3km westl. von Fredeburg

Fredeburg-Schichten (Eifel)

"Brandholz I" bei Nordenau

"Brandholz II" bei Nordenau

Asten-Schichten (Eifel)

"Brilon" bei Willingen-Schwalefeld

Tentakuliten-Schiefer/
Briloner-Schiefer (Givet)

"Scaelova" bei Siedlinghausen-Silbach

Obere Fredeburg-Schichten (Eifel)

Raumländer Zug

Bad Berleburg, Raumland, Dotzlar an der Eder

Raumland-Schichten (Eifel)

 

Innerhalb des Raumländer Zuges wurde Schieferbergbau um in erster Linie bei Bad Berleburg, Raumland und Dotzlar an der Eder in den Tonschiefern der Raumland Schichten (Eifel-Stufe) betrieben. Die Raumländer Schichten stellen eine Abfolge von Sandsteinen, Schluffsteinen, Tonschiefern, Kalksteinbänken sowie Eruptivgesteinen dar und die Mächtigkeit der wichtigsten Schieferlager schwankt zwischen 6-8 m. Die Schieferung fällt konstant zwischen 35-45° nach SE ein.

Die Eigenschaften der Schiefer waren sehr unterschiedlich; während in einigen Schieferlagern die gute Spaltbarkeit die Produktion von Dachschiefern ermöglichte, konnten in anderen Bereichen nur dickspaltige Schiefer für die Herstellung von z.B. Tischen, Treppen etc. gewonnen werden. Dachschiefer wird im Raumländer Zug nicht mehr abgebaut.

Startseite | Impressum & Datenschutzerklärung | Downloads