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Die Schiefervorkommen von Thüringen

(Geol. Karte als PDF)

Regionalgeologische Stellung

Die Dachschieferlagerstätten des Thüringischen Schiefergebirges gehören geographisch dem südöstlichen Thüringer Wald und dem nordwestlichen Frankenwald an. Sie befinden sich innerhalb des Saxothuringikums (vg. Abbildung 15 ) und sind an unterkarbone Sedimente gebunden.

Gekennzeichnet ist dieses Gebiet durch einen NE-SW streichenden Faltenbau mit dem ,Schwarzbuger Sattel` im Nordwesten, der ,Ziegenrück-Teuschnitzer Mulde` im Zentralteil sowie dem ,Bergaer Sattel` im Südosten. Dabei wird die zentrale Muldenstruktur (,Ziegenrück-Teuschnitzer Mulde`) durch die WNW/NW-ESE/SE streichende ,Frankenwald Querzone` in die südwestliche ,Teuschnitzer Mulde` und nördöstliche ,Ziegenrücker Mulde` gegliedert.

In Thüringen werden die Schieferlagerstätten in das Unterland" (Unterloquitz-Probstzella) und Oberland" (Lehesten-Schmiedebach) unterschieden.

 

 

Das Unterland" stellt den Übergang zwischen dem ,Schwarzburger Sattel` und der ,Teuschnitzer Mulde` dar. Begrenzt wird es im Nordwesten durch das Devon des ,Schwarzburger Sattel`, im Nordosten durch die ,Sormitztalstörung` und im Süden durch die ,Gräfenthal-Lobenstein Störung`. Östlich der ,Sormitztalstörung` tauchen die Schieferlager in größer Tiefen ab (Pfeiffer, 1955).

Das Oberland" befindet sich südlich des ,Gräfenthaler Horstes`, im Bereich der ,Frankenwald Querzone`. Im Nordosten wird es durch die ,Gräfenthal-Lobenstein Störung` und im Südwesten durch den ,Ludwigstädter Abbruch` begrenzt. Dabei brachte die Heraushebung des ,Gräfenthaler Horstes` die sich an der Ostflanke befindenden Schieferlager des tieferen Unterkulm an die Oberfläche.

An die ,Frankenwald Querzone` sind oberkarbonen Granitintrusionen gebunden. (z. B: Henneberg Granit, ca. 5 km nordöstlich von Lehesten). Innerhalb beider Reviere sind in verschiedenen Gruben auch Kersantit- und Porphyrgänge aufgeschlossen.

 

 

Stratigraphie

Nach Pfeiffer (1987) kann das Unterkarbon Thüringens in drei Etappen einer progressiven Geosynklinalentwicklung gegliedert wird: das Post-Herzyn (Gattendorfia-Schichten), der Prä-Flysch und der dreigegliederte Flysch.

Das Dachschieferlager ist an den Prä-Flysch gebunden, der eine mächtige Ton-Silt Serie darstellt und auch als ,Lehestener Schichten` bezeichnet wird. Die ,Lehestener Schichten` beginnen mit den Schwärzschiefern (= Rußschiefer) und gehen kontinierlich in das eigentlichen Dachschieferlager über. Sie stellen karbonatfreie Tiefwasserpelite dar und wurden in der Zeit Mittel-Tournai bis Mittel-Vise abgelagert.

Das bis zu 40 m mächtige Dachschieferlager wird aufgrund feinstratigraphischer Phänomene in den dunkel-kiesigen", blauen" und dunklen Stein" unterteilt. Ein weiteres Merkmal innerhalb des Dachschieferlagers sind die eingeschalteten karbonatischen bzw. tuffitischen Schichten, die nur wenige cm mächtig sind und in denen Sphärosiderit-Konkretionen auftreten. Im thüringischen Bergbau werden sie als Wände" bezeichnet und sie besitzen aufgrund ihres kontinuierlichen Auftretens Leitcharakter.

Grundsätzlich ist die sedimentäre Entwicklung in beiden Revieren gleich, auch wenn beim Auftreten der Wände" geringe Unterschiede bestehen. Ein spezifisches Merkmal für das Gebiet von Lehesten ist die markante Lineation, wie sie z.B. bei dem in Schmiedebach abgebauten Schiefer sehr gut beobachtet werden kann.

Überlagert wird das Dachschieferlager von den mehr als 3.000 m mächtigen Flysch, den in Flysch I, II und III gegliedert wird. Die Grenze zwischen Dachschieferlager und Flysch ist scharf ausgebildet. Der turbiditische Flysch variiert zwischen Konglomeraten, Grauwacken und Peliten: während im Flysch I die Pelite noch einen 25 %igen Anteil habe, dominieren im Flysch II und II Grauwacken.

Die Schiefer von Koselstein bei Wurzbach sowie die alten Abbaue des Rötterdorfer Dachschiefers befinden sich im Flysch I (Pfeiffer, 1955).

Die Dachschiefer der ,Blintendorfer Mulde` können als Äquivalente zum Prä-Flysch der ,Ziegenrücker Mulde` mit einem starken Flyschcharakter betrachtet werden (Weber, 1955).

 

 

Tektonik

Die für die Thüringer Schieferreviere prägende sudetische Phase innerhalb der variszischen Orogenese führte zu einem NE-SW streichenden Faltenbau mit nach SW einfallenden Faltenachsen. In den Gruben sind Falten mit Spannweiten von einigen Deka- bis Hektometern aufgeschlossen, die aus Falten mit Spannweiten von einigen Hektometern bis Kilometern entstanden. Aufgrund der tangentialen Kraftwirkung auf diese Falten, ist deren Faltenbau stark asymmetrisch.

Typisch für beide Reviere ist eine Verdickung des überkippten und steilen Faltenschenkels sowie Ausdünnung des flachen Faltenschenkels. Die Schieferung ist als Transversalschieferung ausgebildet und fällt etwas flacher als die Faltenachsenflächen nach NW ein. In beiden Revieren sind jeweils unterschiedliche Einfallwinkel die Schieferungsfläche zu beobachten. Die Faltungsprozesse waren von der Bildung von ac-Klüftem begleitet.

Dieser duktilen folgte eine bruchtektonische Deformation, die zur Anlage von NE-SW streichenden Abschiebungen, den sogenannten ,Schwarten` oder ,Untervorschiebungen`. Sie fallen etwas steiler als S1 ein und an ihnen kam es zu Verschiebung von einigen cm bis zu 200 m.

Nachfolgend kam es zur Bildung von Quer- und Diagonalstörungen, die als paarig angelegte Scherungsbrüche interpretiert werden und bei denen es sich ausschließlich um Abschiebungen handelt (Pfeiffer, 1955).

Beim Streichen dominiert die E-W Richtung gegenüber N-S. Dabei kompensieren die E-W streichenden Abschiebungen teilweise das flache Abtauchen der Faltenachsen in Richtung SW.

Obwohl die generelle tektonische Entwicklung in beiden Revieren ähnlich verlief, bestehen auch Unterschiede (Siehe Tabelle).

 

Unterland Oberland

- keine Verschuppung

- Schieferungsflächen fallen mit einem Winkel zwischen 55°-50° nach NW ein

- ausgeprägte Verschuppung mit hoher Faltungs- und Schieferungsintensität
- Schieferung fällt 20°-30° nach NW ein
- Winkel Schichtung-Schieferung ist kleiner als im Unterland
- teilweise Crenulation von S1 und S1 Falten
- Mächtigkeitsschwankungen des Schieferlagers von 12m - 80m

Unterschiede zwischen Ober- und Unterland im tektonischen Bau

 

In dem Thüringer Schieferrevier können weiterhin postkinematische Gänge mit einem primären E-W Sreichen beobachtet werden.

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