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Die Schiefervorkommen von Sachsen

(Geol. Karte als PDF)

Die sächsischen Schiefervorkommen befinden sich im Erzgebirge, im Raum zwischen den Ortschaften Lößnitz, Zwönitz und Streitwald sowie nördlich von Rochlitz, zwischen den Ortschaften Penna und Methau („Pennaer Dachschiefer“).
Es wird hier primär auf die Lößnitzer Schiefer eingegangen, da sie die wirtschaftlich bedeutenderen waren und der Pennaer Dachschiefer eine nur sehr lokale Verbreitung fand. Bei beiden handelt es sich um phyllitische Schiefer.

 

Regionalgeologische Stellung und Stratigraphie

Das Erzgebirgs-Antiklinorium bildet zusammen mit dem Fichtelgebirgsantiklinorium den südlichsten Teil des Saxothuringikums. Als geologische Einheit stellt sie eine NO-SW streichende Antiklinale dar, die aus verschiedenen metamorphen Einheiten besteht.
Begrenzt wird das Erzgebirge im Süden durch den staffelförmige Erzgebirgsabbruch zum Egertal-Graben und im Osten durch das Elbe-Lineament, während die Nordgrenze durch das Vogtländisch-Mittelsächsische Synklinorium gebildet wird. An seiner NW-Grenze, der Erzgebirgs-Nordrandzone, werden die hochmetamorphen Gesteine durch schwachmetamorphe Metasedimente überlagert (WALTER, 1995).
Die Metasedimente sind generell ordovizischen Alters, nur im Gebiet zwischen dem Eibenstocker Granit bis annähernd Einsiedel schalten sich silurische und devonischen Einheiten ein. Diese Zone wird als Lößnitz-Zwönitz Mulde bezeichnet und an sie sind die sächsischen Dachschiefer gebunden.
Die Stratigraphie wird durch das Fehlen von Fossilien erschwert, so kann bisher nur der Untere und Obere Graptolithenschiefer zweifelsfrei nachgewiesen werden und die stratigraphische Gliederung erfolgt daher nach lithologischen Kriterien. Auch neuere Untersuchungen konnten keine neuen Erkenntnisse hinsichtlich der Stratigraphie der Lößnitz-Zwönitz Mulde hervorbringen (JACOB, 2001).
MINGRAM (1996) unterscheidet in der Lößnitz-Zwönitzer Zone Graphitschiefer, graphitführende Schiefer und feldspatführende Schiefer, die als Phyllit-Einheit zusammengefaßt werden. Dabei stellen die Graphitschiefer die Kiesel- und Alaunschiefer des Silurs dar. Die graphitführenden Schiefer werden mit der Gräfenthaler Gruppe und die feldspatführenden Schiefer mit den Phycodenschiefern Thüringens korreliert.
Dachschiefer wurden in den feldspatführenden Schiefern abgebaut, die den Hauptanteil der Lößnitz-Zwönitzer Mulde bilden. Petrographisch handelt es sich bei ihnen um grau-grünliche, teilweise rötliche, pelitisch bis sandige Tonschiefer bzw. Phyllite sowie quarzitische Schiefer.

 

Tektonik und Strukturelemente

Strukturell stellt die Lößnitz-Zwönitzer Mulde eine Zone mit SE-vergentem Faltenbau dar. Sie ist gekennzeichnet durch eine intensive Faltungs- und Schuppentektonik und mindestens zwei Faltungsphasen sowie der Ausbildung mehrerer Schieferungen bzw. Foliationen15 und Deformationszonen. Dabei vollzog sich eine nur schwache Metamorphose bei Temperaturen von maximal 400 °C und niedrigen bis mittleren Drücken (JACOB, 2001). Die folgende Beschreibung des Strukturelemente folgt den Untersuchungen JACOBS (2001):
Durch die intensive Deformation kann die Schichtung als ersten planares Element nur lokal wahrgenommen werden, d. h. sie ist primär reliktisch erhalten und meist nur in Form von Farbunterschieden und Materialwechsel erkennbar.
Die erste Schieferung ist das dominierende planare Element und ist mit der ersten isoklinalen, S-vergenten Faltungsphase verbunden. Sie ist primär als Parallelschieferung und nur stellenweise als Transversalschieferung ausgebildet. Bei dieser ersten Schieferung S1 handelt es sich um eine penetrative Schieferung vom Typ ‚continuous cleavage‘ ( = Fließschieferung).
Vielerorts kann eine zweite Schieferung bzw. Foliation S2 als Ergebnis einer zweiten Faltungsphase beobachtet werden, die stets S1 im Winkel schneidet. In den pelitischen Einheiten ist sie als ‚crenulations foliation‘ und in den mehr klastisch, sandig-quarzitischen Schichten als ‚spaced foliation‘ ausgebildet. Dabei variiert die Ausbildung der ‚crenulations foliation‘ zwischen ‚discrete‘ und ‚zonal‘ . Bei der Bildung von S2 kam es zur flexurartigen Verbiegung und Verfältelung der Glimmer und aufgrund der nachfolgenden Scherbewegungen zu sigmoidalen Verbiegungen von S1.
Die zweite Foliation wir in den pelitischen Schichten oft durch kompressive kink bands, die stellenweise als konjugierende Systeme auftreten können, ersetzt.
In der Lößnitz-Zwönitzer Zone treten NO-SW streichende Störungen und Scherzonen unterschiedlichen Alters auf, wobei zwischen älteren kompressiven und jüngeren Extensionsstörungen differenziert wird.

Man kann davon ausgehen, daß diese Gefügeausbildung zu dem typisch rustikalem Bild des sächsischen Schiefers führt.

 

Dachschiefertypen in der Lößnitz-Zwönitzer Mulde

Grundsätzlich können drei Schiefertypen unterschieden werden.

  • Die bläulichen, dunkelgrauen bis hellgrauen Schiefer, die ca. 1 km nördlich von Lößnitz z. B. im „Hasenschwanzbruch“ abgebaut wurden. Laut Geol. Karte handelt es sich um tonschieferähnliche Phyllite. TEUSCHER (1935) erwähnt, daß sie in bezug auf ihrer mineralogischer Zusammensetzung und Textur und der hierauf beruhenden Festigkeit den Schiefern Thüringens nur wenig nachstehen. Es handelt sich um einen harten und sehr verwitterungsbeständigen Schiefer.

  • Graugrüne und relativ weiche Schiefer mit einer verhältnismäßig guten Spaltbarkeit wurden zwischen
    Lößnitz und nördlich von Lenkersdorf abgebaut. Aufgrund ihrer geringen Härte sind sie nicht so witterungsbeständig und erreichten Liegezeiten von nur ca. 40 Jahren. Diese Schiefer werden mit den unterordovizischen Phycodenschiefern Thüringens parallelisiert.

  • Südlich der Ortschaft Dreihansen wurden in einem gleichnamigen Bruch schwarze, metallisch glänzende Schiefer abgebaut. Es handelt sich hier um sehr harte und verwitterungsbeständige Schiefer, die Liegezeiten von über 100 Jahren erreichen können. Stratigraphisch gehören diese phyllitischen Schiefer der ordovizischen Griffelschieferfolge an (JACOB, 2001).
    Die Schiefer wurden vorwiegend für die Herstellung von Dachschiefern abgebaut. Aufgrund des Konkurrenzdruckes ausländischer Schiefer, wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jh auch Tischplatten, Türsohlen, Treppenstufen etc. hergestellt.

 

Die Schiefer von Penna

Die Pennaer Schiefer wurden zwischen den Ortschaften Penna und Methau in mehreren kleinen Brüchen abgebaut. Die Dachschiefer bilden ein ca. 100 m mächtigens Schichtpaket, in das sich partiell stark verfaltete Zonen mit reichlich Quarzeinlagerungen einschalten. Das Generalstreichen verläuft NE-SW, mit einem Einfallen nach NW.
OELSNER (1946) erwähnt, daß die Dächer der Umgebung fast durchweg mit Schiefern von Penna und Methau gedeckt sind und sich somit eine Lebensdauer der Schieferdächern von über 50 Jahren ergäbe. Sehr oft wurden die Schiefer bei Neueindeckungen wiederverwendet, da nur die Nägel durchgerostet waren.
Der Abbau der Schiefer wurde von Einzelgrundstücken und Einzelunternehmen durchgeführt. Hierbei kam es weder zu einer systematischen Abdeckung noch Beseitigung des Abraums, der von einer Grube in die andere geschafft wurde, so daß man förmlich im eigenen Abraum „erstickte“.
Wie auch für die Lößnitzer Schiefer galt hier, daß der thüringische und belgischen Schiefer einen enormen Konkurrenzdruck auslöste, so daß der Abbau nur beschränkt weiterlief, um dann in den 20er Jahren völlig eingestellt zu werden.
OELSNERS Bericht von 1946 plädierte für eine sorgsame Wiederaufnahme, so daß im Jahre 1948 ca. 40 Mann Dachschiefer und er eine Erweiterung dieser Schieferbrüche gegenüber einer Neuaufnahme des Lößnitzer Schieferbruches „Dreihansen“ favourisierte.

Bei einem späteren Gutachten 1956 über die Schiefervorkommen von Narsdorf in unmittelbarer Nähe von Penna wird berichtet, daß keine Schieferabbau mehr existiert.

 

Bilder

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  • Alte Schieferfassade

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    Alte Schieferfassade (Detail)

  • Alte Schieferfassade

  • Alte Schieferfassade (Detail)

  • Kirchendach mit alten und neuen Schiefern

  • Ehem. Schieferbruch

  • Mundloch

  • Alte Schieferfassade

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