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Die Schiefervorkommen von Cornwall

(Geol. Karte als PDF)

Die südwestliche Halbinsel Großbritanniens befindet sich am äußersten Rand des Rheonherzynikums und ist hauptsächlich aus marinen devonischen Einheiten aufgebaut, die, verglichen mit den anderen variszischen Zonen, nur schwach von der kaledonischen Orogenese ergriffen wurde.

 

 

Die praktisch komplette Abfolge des Devons SW-Englands zeigt Einschaltungen von Old Red Sandstein und ist aufgrund des raschen Fazieswechsels und der mehrphasigen Deformation stratigraphisch nur schwer gliederbar (Anderton et al., 1979). Cornwall selbst befindet sich innerhalb der synklinalen Struktur SW-Englands, deren karbonische Gesteine nördlich und südlich von devonischen Einheiten flankiert werden und an die die oberdevonischen (Dach-) Schieferlagerstätten gebunden sind.

Die Sedimentation der devonischen Einheiten ist durch verschiedene störungskontrollierte Absenkungsraten gekennzeichnet und daher unterscheidet man in Cornwall verschiedene störungsgebundene Sedimentationsbecken (Selwood et al. 1998).

Im Ober-Frasne begann die marine Transgression in Richtung Wales und Zentral-England. Dabei bildete das Armorikanische Massiv wahrscheinlich den südlichen Rand des Beckens und lieferte grobkörniges Material in das Gebiet des heutigen S-Cornwall. Nach Norden, in S-Devon sedimentierten Cephalopodenkalke und Ostracodenschiefer und weiter in N-Devon und Sommerset kam es zur Ablagerung von flachmarinen und fluviatilen Sedimenten (Edmonds et al. 1975). Die Edukte der Dachschiefer ("Tredorn Slates") wurden innerhalb einer ,outer shelf`- Fazies abgelagert.

Im Karbon verlagerte sich die Flyschsedimentation des Armorikanische Massivs nach Norden und entsprechend verhielten sich die Faltung und Verjüngung des Metamorphosealters (Schönenberg & Neugebauer 1987).

Die Armorikanische Orogenese (Ober Karbon bzw. Frühes Perm) zeichnete sich durch eine Nord-Süd gerichtete Kompression aus, die zu einem generellen Ost-West Streichen der tektonischen Elemente führte und deren Deformationsstil hauptsächlich durch Faltung bestimmt war. Es können drei Deformations- bzw. Faltungsphasen unterschieden werden (Edmonds et al. 1975).

Die erste Deformationsphase D1 ist im gesamten Gebiet von Cornwall präsent und führte zu einem nordwest-vergenten und NE-SW bis ENE-WSW streichenden Faltenbau sowie großräumigen Überschiebungen, die meist die lithostratigraphischen Grenzen bilden. Der Faltenstil schwankt zwischen close and tight und die Faltenachsenflächen sind horizontal orientiert oder fallen moderat nach SE ein. Verbunden mit der Faltung war die Entwicklung einer axial planar cleavage S1, deren Ausbildung in der Nähe von Überschiebungen noch intensiver ausfällt und bei den Tredorn Slates" zu einer guten Spaltbarkeit, d. h. zur Bildung von Dachschiefern führte. D1 stellt die Hauptdeformationsphase dar und ist gekennzeichnet durch eine low-grade-intermediate pressure Regionalmetamorphose. Dabei erfuhren die "Tredorn Slates" partiell eine Kontaktmetamorphose durch die Intrusion des Granits von Bodmin Moor.

Die zweite Deformationsphase D2 ist lokal entwickelt und führte wiederum zu einem nordwest-vergenten und ENE-WSW streichenden Faltenbau mit einem moderaten bis steilen Einfallen der Faltenachsenflächen nach SSE. Begleitet wurde diese Deformationsphase von der Ausbildung einer regional verbreiteten Crenulationsfoliation S2. Dieses duktile Deformationsregime wird ergänzt durch Horizontalverschiebungen mit dextralem Schersinn (Selwood et al. 1998).

Die letzte Deformationsphase D3 ist verbunden mit E-W streichenden Falten sowie der Ausbildung einer Crenulationsfoliation S3.

Die oberdevonischen ,Tredorn Slates` zeichnen sich durch Feinkörnigkeit sowie eine gut entwickelte, homogen-glatte Schieferung aus und ihre Farbe variiert von dunkelgrau bis grün bzw. bläulich bis grau.

Schieferbergbau gibt es nachweislich seit dem 16. Jh. in einer Schiefergrube zwischen Delabole und Tintagel, aber der Höhepunkt der bergmännischen Gewinnung von Dachschiefer lag im 19. Jh., als er die Strohdächer ersetzte. Das Gebiet um Tintagel ist eine Zone intensiver Deformation mit liegendem Faltenbau, der durch Kink Folds überprägt wurde sowie extensiven Überschiebungen. Weitere Gruben befinden sich im Gebiet um Wadebridge, wo Schiefer für die für England so charakteristischen Heckenmauern sowie andere Anwendunsgbereiche abgebaut wurde. Zahlreiche kleine Schiefergruben sind über Cornwall verteilt, die aber weder Dachschiefer abbauen noch über eine ökonomisch lokale Bedeutung herauskommen.

Bis auf das Launceston Gebiet, in welchem karbonische Schiefer bergmännisch gewonnen werden, bauen die meisten Gruben Cornwalls Schiefer des Oberdevons ab (Selwood et al. 1998).

Heutzutage werden die Schiefer nicht nur als Dachschiefer, sondern für alle möglichen architektonischen Anwendungen sowie als Zuschlagstoff für die chemische Industrie und für Betonteile verwendet (Edmonds, et al., 1975).

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